Im folgenden Stück spielen drei Hauptpersonen. Eine, das ist der Vermieter, ihn nenne ich Mr. Nice. Er vermietet zwei Zimmer seiner Wohnung, in der er auch selbst wohnt. Einer der Mitbewohner ist Mr. Happy. Er ist dort vor sechs Wochen eingezogen. Der andere Bewohner, Mr. Lucky, wohnt erst seit kurzem dort. Kurz heißen die dramatis personae: Nice, Happy und Lucky. Ob es die folgende Geschichte so wirklich gibt, ist ungewiss. Übereinstimmungen mit der Wirklichkeit sind zufällig und nicht gewollt. Das heißt, um den winzigen wahrheitsgemäßen Kern wickelte sich ähnlich einer lagenweise aufgetragenen Abdichtung eines Wohnhausfundaments Lüge um Lüge. Zuspitzung gesellte sich zu Zuspitzung und so entstand das feige und niederträchtige Fantasiegebilde eines wahnsinnigen Pseudologen (=zwanghafter Lügner).
Luckys neue Wohnung ist einfach traumhaft! Schon von außen ist sie mit ihrer aufwändigen Stuckfassade ein echter Augenschmaus. Innen verfügt der vor Jahren restaurierte Altbau über die beliebten 3,30 Meter hohen Decken, über einen tollen dunklen Holzboden und über viel, viel Platz. Die Wohnung ist großzügig ausgestattet, Bad und Küche bieten alle erdenkliche Kleinigkeiten, die aus dem Wohnen nicht nur ein Wohnfühlen, sondern auch ein Wohlfühlen machen. Das Bad könnte aus einem Fünf-Sterne-Hotel ausgeschnitten und in diese Wohnung hinein geklebt worden zu sein. Eine riesige Badewanne, ein Spiegel, der die gesamte Wandbreite ausnutzt, schöne weiße Kacheln, eine Toilette und Handtuchhalter machen den Aufenthalt zum unvergesslichen Erlebnis, zu einer Oase der Entspannung beziehungsweise der Erleichterung.
In der Küche findet sich ein schnuckeliger Mini-Geschirrspüler. Lucky wollte ihn sofort ausprobieren und schreien, als er das niedliche Ding gesehen hatte! Im Gegensatz dazu liegt die Wohnung außerdem trotz der zentralen Lage erstaunlich ruhig! Lucky will gar nicht damit angeben, dass die Wohnung quasi zu jeder Tageszeit dunkel ist, vor allen Dingen sein Zimmer, denn die großen, ansehnlichen Bäume gegenüber der schmalen Straße spenden jede Menge kühlen Schatten. Er soll nicht so bescheiden sein, er weiß doch genau, dass das Schicksal ihn in Liebeserklärungen ertränkt. Warum sind die Auserwählten jederzeit so edel?
Bei diesen ganzen Vorzügen ist es leicht verkraftbar, dass jetzt wo es Winter ist, die Heizung abgeschaltet ist. Das klingt schlimmer als es ist, denn Nice war so nett, einige Euro-Paletten in den Keller zu werfen. Mit der praktischen Handkreissäge lassen sich diese dann in handliche Stücke zerkleinern. Die mit verbogenen Nägeln bestückten Abfallreste sind das perfekte Futter für den Kachelofen, der im luxuriösen Wohnzimmer eingerichtet ist. Bei ihrem niedrigen Heizwert verbrennen die Pressspanteile und Holzfetzen nahezu effizient wie trockenes Stroh! Und damit es beim Sägen nicht so laut ist, setzt man sich einfach die netterweise hinterlegten Ohrenschützer auf. Und bevor man etwa Staub in den Atmungsapparat kriegt, öffnet man einfach die kleine Luke zur Straße, die gerade groß genug ist, um über die kleine Treppe die Mülltonnen hinausschieben zu können. Glücklicherweise stört der Lärm dann die ganze Nachbarschaft! Das wurde wirklich alles sehr klug eingerichtet. Und damit man sich nicht verletzt, ist in kluger Vorrausicht das Sägeblatt so stumpf gehalten, dass es sich allzeit im Holz verkantet. So kann man sich natürlich weder den Vorderfuß abtrennen, noch in die Säge stolpern, sollte das Sägeblatt doch einmal unerwartet durch die Palette durchgehen. Ansonsten tritt man kurz und beherzt zu und zertrennt das Holz auf diese Weise. Späne schnellen einem beim Sägen eigentlich kaum in die Augen. Wenn Happy und Lucky zu zweit arbeiten, kann einer beispielsweise mit dem Besen gegen das Werkstück halten, damit es nicht entgleitet. Das gemeinschaftliche Arbeiten stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und sorgt für die solide Grundlage einer möglichen Freundschaft. Am Ende der leichten Tätigkeit werden die Holzspäne in die Ecke gefegt, wo sie Feuchtigkeit aufnehmen können. Happy und Lucky gehen nach dem Sägen erst einmal in die Wohnküche, wo Lucky seine Bettwäsche dürftig trocknet. Denn, es ist nicht nur so, dass die Scheiben in seinem Zimmer nachts anlaufen, was Lucky natürlich sehr gern mag, denn er will nicht dass Menschen bei ihm ins Zimmer sehen können. Es ist auch so, dass durch das fehlende Heizen das ganze Zimmer feucht ist. Die Wärme des Kamins dringt nicht in die Zimmer. Auch Happy hat ein großes Prachtexemplar von Schimmelpilz bei sich in der Zimmerecke. Und niemand kann verstehen, warum er ihn letzte Woche noch wegkratzen wollte. Den Schimmelpilz kann er nicht hören, denn er lässt die ganze Zeit heimlich den Fön laufen, damit er die Raumtemperatur angenehm regulieren kann. Hoffentlich merkt das Nice nicht.
Nice bewohnt selbst auch eines der verfügbaren Zimmer. Klugerweise hat er einen eigenen Ofen in seinem Zimmer, so dass ihn die fehlende Heizung nicht weiter stört. Nice ist ein sehr netter Mensch. Im freundlichen Eingangsbereich der Wohnküche steht ein geräumiger Korb, in dem eine schier unglaubliche Zahl an Briefen Platz findet. Die meisten sind nicht geöffnet, vor allen Dingen diejenigen, die vom Gerichtsvollzieher stammen. Nice ist auch sehr klug. Er arbeitet als sehr erfolgreicher Fotograf. Er ist oft wochenlang nicht da, weil er in dieser Zeit ausländische Auftraggeber mit seinen hervorragenden Ergebnissen überzeugt. Per Mitfahrgelegenheit nimmt Nice in seinem leistungsstarken Auto Menschen mit über die Grenze. Diese Leute haben sehr viel Glück, und wenn sie selbst eine Zigarettenstange oder Alkohol dabei haben sollten, so müssen sie auf den Preis nochmals zehn Euro drauflegen. Das ist sehr fair von Nice, denn angenommen er hat vier Mitfahrer kann er jetzt selbst nur acht Stangen mitnehmen. Nice erzählte Happy und Lucky neulich, dass als er einer seiner Verflossenen eine Stange verkaufte, sie gemeint hätte, dass sie den beiden eine gut gedeckte Haftpflicht wünsche, falls sie mit dem Ofen Unfug anstellten. Aber da kann nichts passieren, es ist ja nur das Ofenrohr und der obere Bereich des Ofens, die sehr heiß werden. Und der ganze Papiermüll hinter dem Ofen ist ja weit genug weg. Für Sicherheit ist umsichtig gesorgt.
Das Wohnklima ist toll, wenn Nice da ist. Entweder er unterrichtet die beiden Novizen in Lebenserfahrung oder erzählt die tollsten Dinge. Die Kücheninsel hat er beispielsweise zwecks sexueller Tätigkeit auch schon genutzt. Auch von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Badewanne hat der Lebemann nur Positives zu berichten. Und dass er vor allen Dingen Happy neidisch macht, wenn er von seiner WG im Nachbarland erzählt, ist klar. Der Vierzigjährige wohnt dort mit drei Mädels Anfang Zwanzig und seiner Freundin und erstere hüpfen morgens in Unterwäsche durch den Flur. „Der Nice weiß zu leben“, sagt Happy und lacht.
Der Happy würde wirklich auch mal wieder gerne ran. Der hat gerade ziemlichen Druck, kein Wunder, er als junger Mann steht ja in vollem Saft. Wie toll das wäre, wenn wir hier Frauen in die Bude holen und dann vor dem Kamin sie mit unserem musikalischen Eros bezirzen könnten. Seine Liebesnot ausgenommen ist der Happy immer gut drauf. „Das geht ab“, trötet und flötet er manchmal in den Raum, und zwar zu hundert Prozent intrinsisch motiviert. Happy pfeift auch den ganzen Tag. Damit trägt er in positiver Weise zu einem lebenswerten Umfeld bei. Wenn er hin und wieder mal uffda uffdada oder ma hat ma Glück, ma hat ma Pech, Mahatma Gandhi singt, ist die Stimmung heiter und ausgelassen. Er ist ein großer Fan des Karneval und wenn Lucky nach Hause kommt, klingt aus seinem Zimmer die Aufzeichnung der genannten Veranstaltung aus einem vergangenen Jahr. Happy ist der Meinung, dass man auf seiner Suche nach dem großen Glück nur den Nippel durch die Lasche ziehen muss, und dass man lachen lernen muss und dass die wirklich genialen Texte so aussehen: Klaus-Hinrich war Bauer, kam niemals zur Ruh, versorgte die Schweine, den Stier und die Oma. Rudi Carell, Lucky, das musst du dir mal vorstellen und das 1978. Einfach genial. Happy hat damit in allen wesentlichen Punkten recht. Happy versteht zu feiern. Am Wochenende hat er fünf Jackie-Cola und drei Kölsch getrunken. Unglaublich, aber wahr: für günstige zwei Euro! „Döb döö döb dödö döb döb döb!“ (Zitat Happy) Möglich durch den Bonusgutschein für die ersten hundert Besucher des Clubs, der an diesem Abend die 99-Cent Party erfolgreich neuauflegte. Und sollte demnächst wieder Coco Jambo aus dem Zimmer tönen, dann lächelt Lucky mit hoher Wahrscheinlichkeit mit.
Die Wohnung liegt in einer Stadt, in der es, vor allen Dingen jetzt im Herbst, sehr viel regnet. Das verleiht ihr aber nur noch eine zusätzlich charmante Note. In der Stadt gibt es sehr viele Hunde. Aber Lucky ist vorsichtig, wenn er durch die Straßen läuft, und so tritt er nirgendswo rein. Wenn er in der Mitte der Straße läuft anstatt den Gehweg zu benutzen ist er immer auf der sicheren Mitte. Wenn Lucky morgens früh aus der Haustür tritt, sorgen die Müllautos mit dem kreisenden orangen Licht für eine effektvolle Begrüßung in der Dunkelheit. Die Stadt in der er wohnt, bietet für jeden Geschmack das Richtige. Auch der an zwischenmenschlichen Feinheiten Interessierte kommt in jeder Hinsicht auf seine Kosten! Als Lucky neulich beispielsweise Richtung Karstadt ging, sich eine Hose zu kaufen, stand plötzlich an einer Telefonzelle ein kleiner Junge, dem zwei dünne Blutrinnen aus der Nase troffen. Er war knapp vor dem Heulen und schluchzte, ob nicht jemand ein Taschentuch hätte. „Seid ihr das gewesen?“, rief Lucky hinüber. Einer der beiden gleichaltrigen Jungs, wir nennen ihn Small, in etwas Entfernung rief, dass es nur Kunstblut sei. Der andere der beiden, Little, war weniger vorlaut und meinte, dass Small es übertrieben hätte und ihm auf die Nase gehauen. Lucky verschenkte seine Taschentücher und lief einfach weiter. Die Hose, die er sich dann kaufte, traute er sich bisher noch nicht mit einem seiner Hemden zu kombinieren.
Wenn Lucky spät abends nach der Arbeit aus dem Hauptbahnhof tritt, erwartet ihn die sogenannte Platte. Hier amüsiert sich die Crème de la Crème, ganz vornehme, geschmackvolle Leute. Sie trinken oft Bier und haben schon Gesichtsverletzungen. Manchmal laufen sie über den Beton und rufen aus dem Alkohol: „Ich hab‘ die Hosen an!“ Da muss Lucky immer ganz furchtbar schmunzeln. Er mag Leute mit einem gesunden Selbstbewusstsein. Er selbst wächst ja schließlich auch gerne an seinen Aufgaben. Er mag Leute, die wissen was sie wollen, wie zum Beispiel Happy, der ihm gestern erzählte: „Das mit dem Federweißer und dem süßen Wein, das habe ich schon immer. Und ich glaube nicht, dass ich später herben oder trockenen Wein trinken werde. Das heißt, ich weiß, dass ich es nicht machen werde. Obwohl es schon so viele Leute gesagt haben. Und das schon bei ganz vielen anderen Dingen. Ich habe einfach meine Meinung zu den Dingen.“
Nice ist ja fast nie da, und so verbringen Lucky und Happy die kalten Abende meist alleine in der Wohnung. Lucky trocknet wahrscheinlich gerade seine Bettwäsche oder presst eine Zitrone aus, denn er ist schrecklich erkältet. Wenn er nachts um drei aufwacht, weil sein Zimmer zu kalt ist, setzt er sich vor den gemütlichen Backofen und stellt ihn bei offener Klappe an. Happy schläft wie ein Stein. Und Nice: um drei Uhr? Möge der Alkohol fließen!
R7c1 – der einzige Coverkandidat
Es ist eigentlich unwichtig und es weiß jeder: Wenn man sich in der heutigen Zeit, auf den Weg macht, vielleicht im Internet oder in einem Buch, etwas zu erfahren, – man will sich zum Beispiel über Lösungsstrategien von Sudokus informieren – dann befindet man sich plötzlich, und sicherlich plötzlicher als man dachte, in einem sogenannten Fachgebiet. Man schüttelt den Kopf und stellt fest, dass die empirische Welt auch an dieser Stelle noch unglaublich viel größer wird. Dass Introspektion jetzt endgültig langweilig geworden ist. Die These ist, dass sich Wissen viral und aggressiv ausdehnt, und im verfügbaren kosmischen Gesamtraum G für das Gefühl immer weniger Spielplatz bleibt. Wie traurig. Die andere These ist, die Wissensmenge war bereits vor Jahrhunderten unüberschaubar. Nur weil uns jetzt mit der historisch nie da gewesenen Verfügbarkeit der Eindruck kommt, dass das Erfahrbare unendlich ist (obwohl es gar nicht unendlich sein dürfte, denn war das nicht eine Eigenschaft, die dem reinen über die Reflexion reflektierenden Geist vorbehalten war, beziehungsweise dem Hass?), heißt das nicht, dass wir nicht alleine dastünden mit diesem Eindruck.
Fachgebiete gab es und gibt es überall: Podologie, Patrologie, Pomologie, Prosopografie, und zu guter Letzt good old Pulmologie. Mich würde interessieren was der Siebzehnjährige zu dieser Kollektion sagt, der im Berufsvorbereitungsjahr steckt, und dessen Vater will, dass er sich auf die Stelle zum Rohrleitungsbauer bei der Gemeinde bewirbt. Egal zum Ersten. Solche Dinge, die gerne und fälschlicherweise mal als gesellschaftliche ‚Widersprüche’ bezeichnet werden sind ja gang und gäbe. Zum Beispiel: Wieviele abgemagerte Hirseenterhelferinnen mit Skorbut und Kolik’ im Benin denken gerade darüber nach, wie man am besten zu breakcore oder dubtechno tanzt? Egal zum Zweiten. Warum sollten das übrigens Widersprüche sein. Es sind maximal Gegensätze. Aber ich kenne mich nicht aus. Bleibe ich also dabei und sage Widersprüche.
Aber sind sie denn wirklich gesellschaftliche? Was passiert denn, wenn ich gerade vom junior consultant zum senior consultant befördert wurde und meine erste Woche im neuen Job mache, und mich, sagen wir, ins Zeug legen muss, während meiner Frau gerade der Darmkrebs diagnostiziert wird? Das heißt, ich habe noch weitere drei, vier Arbeitstage vor mir, bei denen ich mich mit allem Hirn um Zeug (beispielsweise die Verwendung von high capacity Kondensatoren bei der elektronischen Motorsteuerung, bei französischen Autobauern: Bis Samstag 22 Uhr Präsentation) kümmern muss, das mich einfach nicht interessiert, weil ich meine Frau liebe. Ist das nicht mal Entfremdung? Ein krasses Beispiel, aber weniger krass schlicht und einfach alltäglich. Eine die mit Gesellschaft nichts zu tun hat. Und die Entfremdung, über die Marx so gerne spricht. Wir seien von den Produkten und so weiter... darf ich den Gedanken einwerfen, dass Millionen von Menschen froh sind über diese Form der Entfremdung. Es ist ihnen recht, wenn der Kram nach acht Stunden aus ist, und damit nichts weiter zu schaffen ist an diesem Tag. Die wollen gar nichts mit ihrer Arbeit zu tun haben, sondern den Kopf frei haben. Auch wie dem sei. Sind die Widersprüche der Welt, liebe Leute von der Linkspartei (falls ihr denn so denkt, ich hatte einfach Lust euch anzureden) wirklich gesellschaftlich verankert? Oder besser: Sind die gesellschaftlich verankerten geradezu gleichgültig im Vergleich zu denen des Ereignisses? Aber egal zum Dritten und Letzten.
Ein kleines Zitat:
„Der X-Wing ist degeneriert und wird daher als Sashimi bezeichnet. Die Logik ist gleich wie bei einem normalen Finned X-Wing: r7c1 ist der einzige Coverkandidat, der beide Fins sieht, er kann daher gelöscht werden.“
Das kommt davon, wenn man Sudokus löst, aber bei einem gewissen Schwierigkeitsgrad nicht weiter kommt, und sich dann mal systematisch damit beschäftigen will und ins Internet hinein geht, um sich zu informieren. Geradezu irrelevant im Vergleich zu den Keplerschen oder Gossenschen Gesetzen, nicht wahr? Das geht einem ja überall so, egal ob man gerne Wein oder Whiskey trinkt und nachforscht, oder ein Golfschlägerset braucht und Kundenbewertungen durchforstet. Niemals war die Welt so konkret wie heute. Was würden Platon oder Schopenhauer sagen, für die es noch etwas Konkretes und für die alltägliche Lebenswelt Bedeutsames war zu sagen, Vorstellungen seien stets endlich oder auch nicht, wobei alles Reale endlich ist, also alles real ist, und keine Transzendenz da (Vorsicht bei der Abfahrt an den Türen: Willkürliches Beispiel). Oder der Mensch, der in zwei Wochen in Nigeria an einer Goldstaubvergiftung sterben wird? Was sagt der eigentlich so zu meiner neuen Katze?
"Die einen von uns werden eben als r7c1 geboren, und können gelöscht werden, die anderen gar nicht, und wieder andere fahren mit dem Maybach auf der Landstrasse nach Münster." Im Juli 2009 (wenn ich mich nicht irre) übrigens konnte man in den Nachrichten erfahren, dass es jetzt endlich eine Milliarde Hungernde gibt auf der Welt. Endlich. An diesem Abend habe ich beim Dönerladen um die Ecke mal ausnahmsweise mit Schafskäse gegessen (es war übrigens ein Linkshänder-Döner, ich komm’ damit besser zurecht).
Aha, aha. Was bedeutet das jetzt. Ist das jetzt alles Sozialdeterminismus? Sind die beiden folgenden Aussagen also gleichwertig:
1) Die eine stirbt mit 38 an Zungenkrebs, die andere mit 19 an Liebeskummer.
2) Der eine wird Rohrleitungsbauer, und wird sein Leben lang spucken auf das, was der Akademiker Arbeit (er weiß auch nicht, was der mit Entfremdung meint) nennt, der andere betreibt (minder-)qualitative Sozialforschung und verdient mit seinen unter Zwang geschriebenen Abhandlungen das Achtfache.
Sind das zwei verschiedene Formen, Kontexte von Schicksal und nichts weiter? Heißt das also, dass die Politik jetzt gar nicht mehr versuchen soll, Verhältnisse zu verbessern, für die Menschen, um des Menschen wegen auszubalancieren, sondern einfach alles so beibehalten sollte? Wo sie doch so mächtig, alles zu verändern, mit einer einzigen kleinen Handbewegung? Ist. Aber natürlich, Mama. Drauf’ gekackt, sach’ ich jetzt mal. Ich werde es nämlich auch an dieser Stelle pflichtunterbewusst versäumen, einen Zusammenhang herzustellen oder eine konsistente Aussage. Das ist auch gar nicht möglich, bei diesem Wust, in den wir hier hineingeraten sind. Ich halte es mit dem avantgardistischen Theater: Meine Bühnenstücke werden bei halbhoher Gardine vorgetragen, so dass man nur die Beine sieht, oder die Toten, die liegen. Manchmal ragt ein Lindenstock mit hauchzarten Trieben aus dem Orchestergraben und duftet nach dem Süden.
Ich muss doch im Abschluss nochmals unterstreichen, dass die in diesem Text unternommene Parallelisierung von ‚sozialem’ und ‚weltischem’ Schicksal strenggenommen natürlich ein recht großer Kram ist. Aber vielleicht ist das Ziel meiner hier durchgeführten Verwirrung etwas sichtbar. Oder vielleicht riecht auch jemand was? Übrigens hoffe ich nicht verschreckt zu haben, wie es Leute tun, die sagen: „Es sterben hier Menschen an Hodenkrebs und du frisst Crêpe Suzette!“ und glauben damit die Härte der Wirklichkeit begriffen zu haben (wenn es eine solche Härte denn gibt, jedenfalls kann man der W. nicht einmal mit einem Diamanten einen Kratzer zufügen, so dass Mohs-Härte 10 überschritten ist), und also auch eine Rechtfertigung aufweisen, täglich drei Bier zu trinken (und einen Wodka).
Fachgebiete gab es und gibt es überall: Podologie, Patrologie, Pomologie, Prosopografie, und zu guter Letzt good old Pulmologie. Mich würde interessieren was der Siebzehnjährige zu dieser Kollektion sagt, der im Berufsvorbereitungsjahr steckt, und dessen Vater will, dass er sich auf die Stelle zum Rohrleitungsbauer bei der Gemeinde bewirbt. Egal zum Ersten. Solche Dinge, die gerne und fälschlicherweise mal als gesellschaftliche ‚Widersprüche’ bezeichnet werden sind ja gang und gäbe. Zum Beispiel: Wieviele abgemagerte Hirseenterhelferinnen mit Skorbut und Kolik’ im Benin denken gerade darüber nach, wie man am besten zu breakcore oder dubtechno tanzt? Egal zum Zweiten. Warum sollten das übrigens Widersprüche sein. Es sind maximal Gegensätze. Aber ich kenne mich nicht aus. Bleibe ich also dabei und sage Widersprüche.
Aber sind sie denn wirklich gesellschaftliche? Was passiert denn, wenn ich gerade vom junior consultant zum senior consultant befördert wurde und meine erste Woche im neuen Job mache, und mich, sagen wir, ins Zeug legen muss, während meiner Frau gerade der Darmkrebs diagnostiziert wird? Das heißt, ich habe noch weitere drei, vier Arbeitstage vor mir, bei denen ich mich mit allem Hirn um Zeug (beispielsweise die Verwendung von high capacity Kondensatoren bei der elektronischen Motorsteuerung, bei französischen Autobauern: Bis Samstag 22 Uhr Präsentation) kümmern muss, das mich einfach nicht interessiert, weil ich meine Frau liebe. Ist das nicht mal Entfremdung? Ein krasses Beispiel, aber weniger krass schlicht und einfach alltäglich. Eine die mit Gesellschaft nichts zu tun hat. Und die Entfremdung, über die Marx so gerne spricht. Wir seien von den Produkten und so weiter... darf ich den Gedanken einwerfen, dass Millionen von Menschen froh sind über diese Form der Entfremdung. Es ist ihnen recht, wenn der Kram nach acht Stunden aus ist, und damit nichts weiter zu schaffen ist an diesem Tag. Die wollen gar nichts mit ihrer Arbeit zu tun haben, sondern den Kopf frei haben. Auch wie dem sei. Sind die Widersprüche der Welt, liebe Leute von der Linkspartei (falls ihr denn so denkt, ich hatte einfach Lust euch anzureden) wirklich gesellschaftlich verankert? Oder besser: Sind die gesellschaftlich verankerten geradezu gleichgültig im Vergleich zu denen des Ereignisses? Aber egal zum Dritten und Letzten.
Ein kleines Zitat:
„Der X-Wing ist degeneriert und wird daher als Sashimi bezeichnet. Die Logik ist gleich wie bei einem normalen Finned X-Wing: r7c1 ist der einzige Coverkandidat, der beide Fins sieht, er kann daher gelöscht werden.“
Das kommt davon, wenn man Sudokus löst, aber bei einem gewissen Schwierigkeitsgrad nicht weiter kommt, und sich dann mal systematisch damit beschäftigen will und ins Internet hinein geht, um sich zu informieren. Geradezu irrelevant im Vergleich zu den Keplerschen oder Gossenschen Gesetzen, nicht wahr? Das geht einem ja überall so, egal ob man gerne Wein oder Whiskey trinkt und nachforscht, oder ein Golfschlägerset braucht und Kundenbewertungen durchforstet. Niemals war die Welt so konkret wie heute. Was würden Platon oder Schopenhauer sagen, für die es noch etwas Konkretes und für die alltägliche Lebenswelt Bedeutsames war zu sagen, Vorstellungen seien stets endlich oder auch nicht, wobei alles Reale endlich ist, also alles real ist, und keine Transzendenz da (Vorsicht bei der Abfahrt an den Türen: Willkürliches Beispiel). Oder der Mensch, der in zwei Wochen in Nigeria an einer Goldstaubvergiftung sterben wird? Was sagt der eigentlich so zu meiner neuen Katze?
"Die einen von uns werden eben als r7c1 geboren, und können gelöscht werden, die anderen gar nicht, und wieder andere fahren mit dem Maybach auf der Landstrasse nach Münster." Im Juli 2009 (wenn ich mich nicht irre) übrigens konnte man in den Nachrichten erfahren, dass es jetzt endlich eine Milliarde Hungernde gibt auf der Welt. Endlich. An diesem Abend habe ich beim Dönerladen um die Ecke mal ausnahmsweise mit Schafskäse gegessen (es war übrigens ein Linkshänder-Döner, ich komm’ damit besser zurecht).
Aha, aha. Was bedeutet das jetzt. Ist das jetzt alles Sozialdeterminismus? Sind die beiden folgenden Aussagen also gleichwertig:
1) Die eine stirbt mit 38 an Zungenkrebs, die andere mit 19 an Liebeskummer.
2) Der eine wird Rohrleitungsbauer, und wird sein Leben lang spucken auf das, was der Akademiker Arbeit (er weiß auch nicht, was der mit Entfremdung meint) nennt, der andere betreibt (minder-)qualitative Sozialforschung und verdient mit seinen unter Zwang geschriebenen Abhandlungen das Achtfache.
Sind das zwei verschiedene Formen, Kontexte von Schicksal und nichts weiter? Heißt das also, dass die Politik jetzt gar nicht mehr versuchen soll, Verhältnisse zu verbessern, für die Menschen, um des Menschen wegen auszubalancieren, sondern einfach alles so beibehalten sollte? Wo sie doch so mächtig, alles zu verändern, mit einer einzigen kleinen Handbewegung? Ist. Aber natürlich, Mama. Drauf’ gekackt, sach’ ich jetzt mal. Ich werde es nämlich auch an dieser Stelle pflichtunterbewusst versäumen, einen Zusammenhang herzustellen oder eine konsistente Aussage. Das ist auch gar nicht möglich, bei diesem Wust, in den wir hier hineingeraten sind. Ich halte es mit dem avantgardistischen Theater: Meine Bühnenstücke werden bei halbhoher Gardine vorgetragen, so dass man nur die Beine sieht, oder die Toten, die liegen. Manchmal ragt ein Lindenstock mit hauchzarten Trieben aus dem Orchestergraben und duftet nach dem Süden.
Ich muss doch im Abschluss nochmals unterstreichen, dass die in diesem Text unternommene Parallelisierung von ‚sozialem’ und ‚weltischem’ Schicksal strenggenommen natürlich ein recht großer Kram ist. Aber vielleicht ist das Ziel meiner hier durchgeführten Verwirrung etwas sichtbar. Oder vielleicht riecht auch jemand was? Übrigens hoffe ich nicht verschreckt zu haben, wie es Leute tun, die sagen: „Es sterben hier Menschen an Hodenkrebs und du frisst Crêpe Suzette!“ und glauben damit die Härte der Wirklichkeit begriffen zu haben (wenn es eine solche Härte denn gibt, jedenfalls kann man der W. nicht einmal mit einem Diamanten einen Kratzer zufügen, so dass Mohs-Härte 10 überschritten ist), und also auch eine Rechtfertigung aufweisen, täglich drei Bier zu trinken (und einen Wodka).
Unauthentisches Composing...
ist gar kein Composing, sondern Posing?
Person A sitzt mit geschlossenen Augen auf einem Bürostuhl vor ihrem Rechner. Person A hört Musik. Sie zuckt, sehr schnell, aber rhythmisch. Der Betrachter mag wohl nicht auf Anhieb feststellen, dass hier eine Ordnung vorliegt, denn es ist etwas Komplexes und Akzentuiertes, was sich Person A verabreicht. Fernerhin improvisiert sie darüber: Und so ergibt sich von außen betrachtet das Bild eines ausgewachsenen Tremors. Was auch immer es ist, was da gehört wird: Es sich nicht das Frühstücksradio von Hitradio FFH, das ist klar. Das Mikrofon krabbelt am Hinterkopf entlang, denn der Kopfhörer sitzt verkehrt herum auf ihrem Haupt. Sie hört nämlich mit einem Headset Musik.
Sie hat es mit ihrer Paranoia vor der Gesellschaft so weit gebracht, sich zu schämen vor anderen Leuten mit solchen Dingen. Bei so eher ausgelassenen Sachen und so. Person A zuckt mit den Augenlidern – sie ist nämlich Teil des erlesenen Kreises von Personen, die auch mit diesem kleinen Körperteil tanzen können. Jetzt, wo sie sich auf ihrem Bürostuhl befindet, sind die Augenlider dann und wann ganz still – die Bewegung setzt in den Momenten aus, in denen sie glaubt nicht authentisch zu sein. Wenig später lässt sich Person A von einem solchen Einwand nicht mehr darin stören, auch gesamtkörperlich etwas inniger zu den Ausdrucksmitteln zu greifen, denn sie glaubt seit Jahren nicht mehr an Authentizität. Sie hatte nur ihren fehlenden Glauben diesbezüglich kurz vergessen.
Das Konzept Authentizität ist auch nicht angemessener und besser zu rechtfertigen als Ausländerhass. Man sollte sich davon im Handumdrehen etabliert haben. Übrigens: Niemand weiß eigentlich wie man eine Hand umdreht. Aber in einem Punkt herrscht dessen ungeachtet Konsens: Es geht ziemlich leicht. Und da Person A das Gefühl hat, nochmals ganz spontan einen semiprofessionellen Grund gegen die Plausibilität des Begriffs Authentizität entwickeln zu müssen, sagt sie sich: In dem Augenblick, in dem ich mir sage, sei einfach du selbst, bin ich nicht einfach ich selbst. Für beides auf einmal ist nicht Zeit. Person A hat keine große Lust das irgendwie theoretisch auszudehnen. Sie denkt sich aber noch kurz, authentisch soll man ja sein, wenn man man selbst ist. Und das geht doch davon aus, dass es einen Unterschied zwischen ich und ich selbst gibt. Jetzt übertreibt Person A: Richtig, das macht keinen Sinn und ist – wie etwa Religion oder der Anspruch ‚sozial’ zu sein – faustdick sonnenklar etwas, was die Mächtigen unseres Landes uns in den Kopf gesetzt haben, um uns zu regieren, damit wir gar nicht mehr in Zweifel ziehen, dass man sich selbst finden muss, dass man irgendwann aber bitte schon einmal wissen sollte, wer man ist und was man denn möchte in seinem Leben.
In solchen Momenten hat Person auch beim Tanzsport gelegentlich die Augen offen und blickt kurz auf den Bildschirm. Sollte man ein minder auffälliges Lied wählen, um …, na eben einfach so? Immerhin könnte vielleicht Person B oder Person C das Zimmer betreten. Man kennt sich schließlich auch noch nicht allzu lange, das heißt die Beziehungen hatten noch nicht die große Zeit sich zu festigen. Person A hält sich nicht für extravagant, sie will aber auch nicht verstören.
Sei es wie es ist: Sie geht wieder mit der Musik. Nach den kurzen Irritationen kann Person A wieder genießen. Was auch immer das heißen soll, wie sie sich fragt. Genuss scheint jedenfalls nichts mit der Lage der arbeitenden Klasse in England zu tun zu haben oder mit der kritischen Kritik der Kritik. Vielleicht ist Genuss ja auch nur ein anderes Wort für enormous chill. Vielleicht ist es ein Zeichen, dass die arbeitende Klasse hier ins Wort fällt: Die Authentizitätsdebatte hat Person A schon länger satt, sie hält sie für unproduktiv und eigentlich abgehakt. Kurz denkt Person A noch weiter. Es gibt doch den weit verbreiteten, aber unausgesprochenen Gedanken, dass man authentisches Verhalten, und insbesondere beim Tanzen (und um den Bezug zur Überschrift herzustellen: bei Blogeinträgen übrigens auch), daran erkennt, dass es technisch gut ist, etwa sehr gut auf den Takt und anderweitige musikalische Einheiten abgestimmt, oder sonst erstaunlich gut gemacht ist. In diesem Sinne ist Komplexität authentisch. Oder mal minus eins: Es gibt den Gedanken, gerade bei der Beobachtung eines tanzenden Menschen, dass genau dann wenn die Darbietung brüllend schlecht ist, Authentizität herrscht. Unverfälscht. Echt. Virtuosität ist immer technisch, immer künstlich. Vielleicht, und das ist das letzte was sie denkt, bevor sie unterbrochen wird, ist es genau das, dass man weder dem einen noch dem anderen Echtheit bescheinigen kann, keine der beiden Positionen toll ist, was zur Widerlegung des ganzen Konzeptes führt. Und das denkt Person eigentlich schon lange: Man ist immer man selbst, immer. Auch beim schrecklichsten Posing, Lügen oder Schleimen. Man kann sich nicht verstellen. Oder jemandem was vorgaukeln. Die ganze herkömmliche Auffassung zur Schauspielerei ist in diesem Sinne schwach. Person A denkt sich, der folgende Satz macht doch gar keinen Sinn: „Mach was du wirklich willst.“
Und wenn man schon vom Teufel spricht: Person B kommt ins Zimmer. Sie starrt Person A so lange an, bis Person A den Kopfhörer absetzt. Jetzt hat Person B endlich Zeit den Kopf zu schütteln und sich wieder umzudrehen. Solange du nicht reagierst, gefalle ich mir darin, dich strafend anzublicken. Will Person B etwa schon bereits wieder erneut sofort gehen? Dieser kurze demonstrativ mahnende ‚Befehlsstand’ reicht ihr etwa bereits wieder sofort aus? Person A muss an die Niederschlagung des Aufstandes auf dem Tian’anmen-Platz denken. Person B wendet sich doch noch um und spricht. „Hör mal zu, ja? Wir sind in dieser Wohngemeinschaft anständige Leute, ja? Sich so gehen lassen. Wenn du dich wenigstens bewegen könntest. Widerst mich an du. Was machen die Leute eigentlich. Also Leute, so was wie du halt. Sie brauchen immer stärkere Drogen, immer abgefahrenere Musik. Wenn ich dich nochmals erwische, dann mach ich dir dein kleines Schweineleben zur Hölle. Dann überfahre ich dich jeden Tag mit meinem Auto.“
Notabene: Es handelt sich um eine 8-er Wohnung. Landkommune, Altersheim, Bundeswehrbarracke. Ist egal. Der Vollständigkeit willen hätte man also erwähnen müssen, dass nicht nur Person B oder Person C ins Zimmer hätten kommen können, sondern auch Person D, Person E, Person F, Person G, Person H. Aus Rücksicht auf das Textbild wurde dies unterlassen sowie es aus Wahrheitspflicht als eben diese Bemerkung noch ergänzt wurde. Danke.
Person A sitzt mit geschlossenen Augen auf einem Bürostuhl vor ihrem Rechner. Person A hört Musik. Sie zuckt, sehr schnell, aber rhythmisch. Der Betrachter mag wohl nicht auf Anhieb feststellen, dass hier eine Ordnung vorliegt, denn es ist etwas Komplexes und Akzentuiertes, was sich Person A verabreicht. Fernerhin improvisiert sie darüber: Und so ergibt sich von außen betrachtet das Bild eines ausgewachsenen Tremors. Was auch immer es ist, was da gehört wird: Es sich nicht das Frühstücksradio von Hitradio FFH, das ist klar. Das Mikrofon krabbelt am Hinterkopf entlang, denn der Kopfhörer sitzt verkehrt herum auf ihrem Haupt. Sie hört nämlich mit einem Headset Musik.
Sie hat es mit ihrer Paranoia vor der Gesellschaft so weit gebracht, sich zu schämen vor anderen Leuten mit solchen Dingen. Bei so eher ausgelassenen Sachen und so. Person A zuckt mit den Augenlidern – sie ist nämlich Teil des erlesenen Kreises von Personen, die auch mit diesem kleinen Körperteil tanzen können. Jetzt, wo sie sich auf ihrem Bürostuhl befindet, sind die Augenlider dann und wann ganz still – die Bewegung setzt in den Momenten aus, in denen sie glaubt nicht authentisch zu sein. Wenig später lässt sich Person A von einem solchen Einwand nicht mehr darin stören, auch gesamtkörperlich etwas inniger zu den Ausdrucksmitteln zu greifen, denn sie glaubt seit Jahren nicht mehr an Authentizität. Sie hatte nur ihren fehlenden Glauben diesbezüglich kurz vergessen.
Das Konzept Authentizität ist auch nicht angemessener und besser zu rechtfertigen als Ausländerhass. Man sollte sich davon im Handumdrehen etabliert haben. Übrigens: Niemand weiß eigentlich wie man eine Hand umdreht. Aber in einem Punkt herrscht dessen ungeachtet Konsens: Es geht ziemlich leicht. Und da Person A das Gefühl hat, nochmals ganz spontan einen semiprofessionellen Grund gegen die Plausibilität des Begriffs Authentizität entwickeln zu müssen, sagt sie sich: In dem Augenblick, in dem ich mir sage, sei einfach du selbst, bin ich nicht einfach ich selbst. Für beides auf einmal ist nicht Zeit. Person A hat keine große Lust das irgendwie theoretisch auszudehnen. Sie denkt sich aber noch kurz, authentisch soll man ja sein, wenn man man selbst ist. Und das geht doch davon aus, dass es einen Unterschied zwischen ich und ich selbst gibt. Jetzt übertreibt Person A: Richtig, das macht keinen Sinn und ist – wie etwa Religion oder der Anspruch ‚sozial’ zu sein – faustdick sonnenklar etwas, was die Mächtigen unseres Landes uns in den Kopf gesetzt haben, um uns zu regieren, damit wir gar nicht mehr in Zweifel ziehen, dass man sich selbst finden muss, dass man irgendwann aber bitte schon einmal wissen sollte, wer man ist und was man denn möchte in seinem Leben.
In solchen Momenten hat Person auch beim Tanzsport gelegentlich die Augen offen und blickt kurz auf den Bildschirm. Sollte man ein minder auffälliges Lied wählen, um …, na eben einfach so? Immerhin könnte vielleicht Person B oder Person C das Zimmer betreten. Man kennt sich schließlich auch noch nicht allzu lange, das heißt die Beziehungen hatten noch nicht die große Zeit sich zu festigen. Person A hält sich nicht für extravagant, sie will aber auch nicht verstören.
Sei es wie es ist: Sie geht wieder mit der Musik. Nach den kurzen Irritationen kann Person A wieder genießen. Was auch immer das heißen soll, wie sie sich fragt. Genuss scheint jedenfalls nichts mit der Lage der arbeitenden Klasse in England zu tun zu haben oder mit der kritischen Kritik der Kritik. Vielleicht ist Genuss ja auch nur ein anderes Wort für enormous chill. Vielleicht ist es ein Zeichen, dass die arbeitende Klasse hier ins Wort fällt: Die Authentizitätsdebatte hat Person A schon länger satt, sie hält sie für unproduktiv und eigentlich abgehakt. Kurz denkt Person A noch weiter. Es gibt doch den weit verbreiteten, aber unausgesprochenen Gedanken, dass man authentisches Verhalten, und insbesondere beim Tanzen (und um den Bezug zur Überschrift herzustellen: bei Blogeinträgen übrigens auch), daran erkennt, dass es technisch gut ist, etwa sehr gut auf den Takt und anderweitige musikalische Einheiten abgestimmt, oder sonst erstaunlich gut gemacht ist. In diesem Sinne ist Komplexität authentisch. Oder mal minus eins: Es gibt den Gedanken, gerade bei der Beobachtung eines tanzenden Menschen, dass genau dann wenn die Darbietung brüllend schlecht ist, Authentizität herrscht. Unverfälscht. Echt. Virtuosität ist immer technisch, immer künstlich. Vielleicht, und das ist das letzte was sie denkt, bevor sie unterbrochen wird, ist es genau das, dass man weder dem einen noch dem anderen Echtheit bescheinigen kann, keine der beiden Positionen toll ist, was zur Widerlegung des ganzen Konzeptes führt. Und das denkt Person eigentlich schon lange: Man ist immer man selbst, immer. Auch beim schrecklichsten Posing, Lügen oder Schleimen. Man kann sich nicht verstellen. Oder jemandem was vorgaukeln. Die ganze herkömmliche Auffassung zur Schauspielerei ist in diesem Sinne schwach. Person A denkt sich, der folgende Satz macht doch gar keinen Sinn: „Mach was du wirklich willst.“
Und wenn man schon vom Teufel spricht: Person B kommt ins Zimmer. Sie starrt Person A so lange an, bis Person A den Kopfhörer absetzt. Jetzt hat Person B endlich Zeit den Kopf zu schütteln und sich wieder umzudrehen. Solange du nicht reagierst, gefalle ich mir darin, dich strafend anzublicken. Will Person B etwa schon bereits wieder erneut sofort gehen? Dieser kurze demonstrativ mahnende ‚Befehlsstand’ reicht ihr etwa bereits wieder sofort aus? Person A muss an die Niederschlagung des Aufstandes auf dem Tian’anmen-Platz denken. Person B wendet sich doch noch um und spricht. „Hör mal zu, ja? Wir sind in dieser Wohngemeinschaft anständige Leute, ja? Sich so gehen lassen. Wenn du dich wenigstens bewegen könntest. Widerst mich an du. Was machen die Leute eigentlich. Also Leute, so was wie du halt. Sie brauchen immer stärkere Drogen, immer abgefahrenere Musik. Wenn ich dich nochmals erwische, dann mach ich dir dein kleines Schweineleben zur Hölle. Dann überfahre ich dich jeden Tag mit meinem Auto.“
Notabene: Es handelt sich um eine 8-er Wohnung. Landkommune, Altersheim, Bundeswehrbarracke. Ist egal. Der Vollständigkeit willen hätte man also erwähnen müssen, dass nicht nur Person B oder Person C ins Zimmer hätten kommen können, sondern auch Person D, Person E, Person F, Person G, Person H. Aus Rücksicht auf das Textbild wurde dies unterlassen sowie es aus Wahrheitspflicht als eben diese Bemerkung noch ergänzt wurde. Danke.
Komma Komma
Was wissen die Menschen komma die im Obergeschoss so laut lachen komma davon dass das ganze Leben eine einzige Musik ist. Drum'n'Bass mag auch mal 170 Schläge in der Minute haben. Eine schnelle Musik. Der Tango ist halb so schnell. Der Wiener Walzer ist nochmals halb so schnell. Diese Zahlen habe ich jetzt nicht recherchiert. Sie sind deshalb so toll komma weil sie so symbolisch sind.
Also komma was wissen die Leute davon komma die da oben so laut lachen komma dass sie da was ganz Falsches machen (oder will man leugnen komma dass das Zwerchfell nicht der Baum der Erkenntnis ist?) komma denn ein Mensch lebt so kurz komma so sehr kurz komma dass er auch wenn er ganz genau hin hört komma ganz genau komma vielleicht einen einzigen Taktschlag hören wird komma von dieser Musik komma von diesem Leben komma einen einzigen Schlag in seinem ganzen Leben. Und dass es auch gar nicht ausreicht komma dass Gehör martialisch-penibel zu schulen komma man muss auch den nervus acusticus schulen komma sowieso das ganze Gespür komma das komplette Nervensystem komma komma komma es bedarf des Menschen komma diesen einen Taktschlag zu hören. Und er braucht auch noch Glück komma der Mensch - das man in diesem Fall dann Schicksal nennt komma wenn es zu so einer unterwahrscheinlichen Koinzidenz kommen soll.
Aber nein komma da sitzen sie in der Runde und finden es lustig und lachen würgereflexartig explosiv und dann reden sie die ganze Zeit. Wer redet komma der kann nicht hören. Was? Um diesen Ansatz nochmals auf einen schlagkräftigen Kurzsatz zu bringen: Wer in einer Runde sitzt komma wird niemals etwas auf die Reihe kriegen. Es bedarf eben des Menschen. Jawohl.
Wenn ihr das auch total interessant fandet, das "," immer komma auszuschreiben, dann geht jetzt bitte sofort zu eurem Telefon und wählt die 1. Wenn ihr das auch total blöde fandet, das "," immer komma zu schreiben, dann lasst euch gerne noch ein wenig Zeit, aber dann geht sofort zu eurem Telefon, und wählt die 0!
Also komma was wissen die Leute davon komma die da oben so laut lachen komma dass sie da was ganz Falsches machen (oder will man leugnen komma dass das Zwerchfell nicht der Baum der Erkenntnis ist?) komma denn ein Mensch lebt so kurz komma so sehr kurz komma dass er auch wenn er ganz genau hin hört komma ganz genau komma vielleicht einen einzigen Taktschlag hören wird komma von dieser Musik komma von diesem Leben komma einen einzigen Schlag in seinem ganzen Leben. Und dass es auch gar nicht ausreicht komma dass Gehör martialisch-penibel zu schulen komma man muss auch den nervus acusticus schulen komma sowieso das ganze Gespür komma das komplette Nervensystem komma komma komma es bedarf des Menschen komma diesen einen Taktschlag zu hören. Und er braucht auch noch Glück komma der Mensch - das man in diesem Fall dann Schicksal nennt komma wenn es zu so einer unterwahrscheinlichen Koinzidenz kommen soll.
Aber nein komma da sitzen sie in der Runde und finden es lustig und lachen würgereflexartig explosiv und dann reden sie die ganze Zeit. Wer redet komma der kann nicht hören. Was? Um diesen Ansatz nochmals auf einen schlagkräftigen Kurzsatz zu bringen: Wer in einer Runde sitzt komma wird niemals etwas auf die Reihe kriegen. Es bedarf eben des Menschen. Jawohl.
Wenn ihr das auch total interessant fandet, das "," immer komma auszuschreiben, dann geht jetzt bitte sofort zu eurem Telefon und wählt die 1. Wenn ihr das auch total blöde fandet, das "," immer komma zu schreiben, dann lasst euch gerne noch ein wenig Zeit, aber dann geht sofort zu eurem Telefon, und wählt die 0!
Begründung meines Willens zum Wiedereintritt in die katholische Kirche
Natürlich kann man aus der Kirche austreten. Das steht jedem frei, bringt einige Vorteile, allerdings auch Nachteile. Einer davon ist, dass man beispielsweise einen Partner kennen lernen kann, der sehr viel Wert auf eine kirchliche Trauung legt. Auch wenn man Taufpate sein möchte, geht das unter Katholiken nur, wenn man selbst getauft ist.
Ich dachte vor einigen Jahren fatalerweise aus der Kirche austreten zu müssen. Ich hatte damals nämlich ein Jahresgehalt von 80 T€ netto, und da stieß es mir unangenehm auf, hundert Euro Kirchensteuer im Monat zu zahlen, über dessen Verwendung mich der Pfarrer des hiesigen Dorfes auch innerhalb eines fünfstündigen Streitgesprächs nicht plausibel unterrichten konnte. Leider mündete das Gespräch damals in gröbsten Handgreiflichkeiten, so dass ich berufsunfähig wurde. Glücklicherweise hatte ich mich zuvor gegen solch ein Ereignis versichert. Jedenfalls lernte ich bei der Reha meine Therapeutin Dagmar kennen, um deren Hand ich letztes Jahr anhalten wollte. Leider war Dagmar total katholisch! Sie wollte also unbedingt eine kirchliche Trauung.
Wer in die katholische Kirche wiedereintreten möchte, hat allerdings einige Schwierigkeiten zu bewältigen. Unter anderem muss man den Wunsch sehr ausführlich und schriftlich begründen. So musste ich damals also einen Text verfassen und an den örtlichen Pfarrer richten.
Glücklicherweise saß der Pfarrer von damals wegen Veruntreuung von Steuergeldern im Kitchen. Nein, nein, es ging nicht um die Kirchensteuer, auf die hatte er gar keinen direkten Zugriff. Er handelte damals mit Männern, und rechnete nicht korrekt mit dem Fiskus ab. Er dachte auf Männer werden 4% Mehrwertsteuer erhoben, dabei sind es doch nur noch 3%. Ich weiß das, weil ich mir damals mein Studium mit dem Handel von Männern finanziert habe.
Wie dem auch sei, bei dem neuen Pfarrer hatte ich gute Chancen. Der ist sowieso sehr nett. Folgender Text wurde von ihm akzeptiert. Naja, ich habe ihm natürlich auch ein Fass Rotwein aus der Rioja in den Hof gestellt. Egal. Die Liebe zu Dagmar ist jetzt amtlich. Und weil ich mich mit vielen Menschen unterhalten habe, die auch zurück zur Kirche wollten, weiß ich dass viele an diesem Schreiben scheitern. Aus geheuchelter Liebe zu meinen Mitmenschen veröffentliche ich mein Schreiben, quasi als Muster, hier im Internet. Zum Verständnis sage ich, dass ein Kunstgriff darin besteht, meine Taufe schon vorauszugreifen, also so zu tun, als wäre das Schreiben schon akzeptiert worden.
Ich lese gerne. Vor hundertfünfzig Tagen zum Beispiel habe ich in einem Buch (und nicht etwa vom Feld) gelesen, dass monokausales Denken - wenigstens statistisch - das Überleben in der Altsteinzeit wahrscheinlicher machte. Ich kann mir zwar nicht besonders konkret vorstellen, welche Methoden im Einzelnen zu diesem Ergebnis (Behauptung) geführt haben. Aber wenn es denn stimmt, dann komme ich als Selbstreflexionskrüppel der Familie (den Spitznamen habe ich von meinem Bruder) zu dem Befund, dass ich in der weiteren Evolution keine Chancen haben werde. Unter der Voraussetzung, dass sich die Situation seit der Altsteinzeit nicht verändert hat. Und hier kann ich mir noch viel weniger konkret vorstellen, wie man das ausdrucksvoll nachweisen kann. Es geht nicht. Wir leben strukturell immer noch in der Altsteinzeit. Dachte ich bisher, aber dazu unten mehr.
Außerdem. Ich bin auch nur ein Mensch. Das heißt, ich verdränge unangenehme Wahrheiten, und zwar aus dem tieferliegenden Grund, dass ich mich selbst ziemlich geil finde (Psychologie). Deshalb habe ich mich also taufen lassen. Denn Christentum und Evolutionstheorie geht zusammen nicht klar.
Aber zunächst ein kleiner Nachtrag zu den obigen prähistorisch gesonnen Ausführungen: Die Clovis-Kultur des nordamerikanischen Kontinents, die älteste dort angenommene menschliche Besiedlung, wird in ihrem Alter auf etwa 11.000 Jahre datiert. Es tauchen, wie immer in der Archäologie und Paläoanthropologie - und diese Behauptung werden alle Ahnungslosen mit mir teilen - immer mal wieder angeblich stichhaltige Ergebnisse irgendwelcher (amerikanischer) Wissenschaftler auf, die belegen, dass der Mais im Osten der heutigen USA noch früher als bisher angenommen domestiziert wurde, dass die Aubergine im Gebiet des fruchtbaren Halbmondes noch früher als der Emmerweizen kultiviert wurde und dass es den Hund schon im Ordovizium gab (also lange vor dem Menschen, so dass man sagen kann, dass der Hund den Menschen wohl als Haustier gehalten hat in der coolen Prähistorie und sich der Mensch aber dann doch behaupten konnte, jedenfalls bei oberflächlicher Betrachtung der heutigen Verhältnisse), das heißt, irgendetwas ist erwiesener Maßen immer noch älter. Wenn man diesen profilierungsgeilen Wissenschaftlern glaubt.
Jetzt hat man also vor einigen Jahren versteinerte Scheiße gefunden, die uns sagt, dass es vor der Clovis-Kultur Siedlungen gab in Nordamerika. Versteinerte Scheiße. Erstaunlich. Denn es handelt sich hierbei ja, und dass ist viel wichtiger als die komische Eventualität einer Präclovis-Kultur, um den ersten Nachweis menschlicher Kultur, der mir zu Ohren gekommen ist überhaupt. Es gibt also tatsächlich so etwas wie Kulturgut. Das hätte ich mir, als studierter Geologie (diese Disziplin handelt von verschissenen Steinen) und dementsprechend überzeugter Naturalist nicht träumen lassen. Nun mag man einwenden dass Opern von Verdi oder die überlieferten politischen Ansichten eines Catull oder Octavian Kulturgut seien. Aber im Unterschied zu Musik ist Scheiße messbar. Außerdem, und hier schließt sich für mich der Kreis, befinden wir uns damit, seit diesem ersten nachgewiesen Kack, per definitionem nicht mehr in der Altsteinzeit. Denn Kultur ist mal voll nicht monokausal.
Ja - und damit greifen wir den zweiten begonnen Kreis auf -, ich finde mich geil. Das liegt zwar hauptsächlich daran, dass ich ein Mensch bin, und deshalb dumm, wobei sich das Dumme immer geil findet, beziehungsweise, dass Geile das Dumme ursächlich und als Telos erst begründet, es liegt aber auch daran, dass ich dumm bin. Womit also gesagt ist, dass es eventuell Dummheit außerhalb des Menschen gibt. In diesem Sinne ist es erst verständlich, warum es ordentlich ist, jemand unmenschlich zu nennen, und zwar einfach deshalb, um darauf zu verweisen, dass sich dieser Mensch, auch noch die unmenschlichen Quellen der Dummheit zu eigen machen konnte.
Es wäre monokausal gedacht, zu sagen, der Mensch sei nur deshalb dumm, weil er ein Mensch ist. In der Altsteinzeit mag das ausgereicht haben. Spätestens seit der Geburt des heiligen Heilands ist aber klar, dass dies nicht mehr hinlänglich ist, die menschliche Dummheit zu begründen. Seit den zärtlichen Ereignissen im Zusammenhang mit Jesus wissen wir, dass das Unmenschliche schlechthin das Göttliche ist, zumindest teilweise, und dass der Mensch zusätzliche Dummheit nicht aus dem Nichts heraus schöpfen kann, sondern direkt aus der göttlichen Sphäre, unter anderem.
Weshalb habe ich mich also taufen lassen? Weil es nicht reicht, das Jagen und Sammeln eingestellt zu haben, um zu beweisen, dass die Altsteinzeit vorbei ist, also dass man jetzt nicht mehr nur noch aus einem einzigen Grund dumm ist, dass man jetzt nicht nur von den Feldern liest, sondern auch aus Büchern. Hauptsächlich aber weil ich auch was abbekommen will von der Evolution. Das Christentum glaubt nämlich, die Evolution gehöre ihm ganz allein, und ich weiß ja auch nicht von wem die versteinerte Scheiße genau kommt. Also die mögen sich halt nicht.
Ich will doch auch nur was von der Evolution. Ich liebe dich, Dagmar!
Bemerkung: Das mit dem versteinerten Kot ist nicht erfunden. Ja, das erste Zeugnis des Amerikaners... In der onlinischen Süddeutschen ist das nachzulesen. Und versteinerter Kot war ja bei ebay sogar schon käuflich. Wann zieht der Einzelhandel nach? Wann, oh wann begreift er endlich?
Ich dachte vor einigen Jahren fatalerweise aus der Kirche austreten zu müssen. Ich hatte damals nämlich ein Jahresgehalt von 80 T€ netto, und da stieß es mir unangenehm auf, hundert Euro Kirchensteuer im Monat zu zahlen, über dessen Verwendung mich der Pfarrer des hiesigen Dorfes auch innerhalb eines fünfstündigen Streitgesprächs nicht plausibel unterrichten konnte. Leider mündete das Gespräch damals in gröbsten Handgreiflichkeiten, so dass ich berufsunfähig wurde. Glücklicherweise hatte ich mich zuvor gegen solch ein Ereignis versichert. Jedenfalls lernte ich bei der Reha meine Therapeutin Dagmar kennen, um deren Hand ich letztes Jahr anhalten wollte. Leider war Dagmar total katholisch! Sie wollte also unbedingt eine kirchliche Trauung.
Wer in die katholische Kirche wiedereintreten möchte, hat allerdings einige Schwierigkeiten zu bewältigen. Unter anderem muss man den Wunsch sehr ausführlich und schriftlich begründen. So musste ich damals also einen Text verfassen und an den örtlichen Pfarrer richten.
Glücklicherweise saß der Pfarrer von damals wegen Veruntreuung von Steuergeldern im Kitchen. Nein, nein, es ging nicht um die Kirchensteuer, auf die hatte er gar keinen direkten Zugriff. Er handelte damals mit Männern, und rechnete nicht korrekt mit dem Fiskus ab. Er dachte auf Männer werden 4% Mehrwertsteuer erhoben, dabei sind es doch nur noch 3%. Ich weiß das, weil ich mir damals mein Studium mit dem Handel von Männern finanziert habe.
Wie dem auch sei, bei dem neuen Pfarrer hatte ich gute Chancen. Der ist sowieso sehr nett. Folgender Text wurde von ihm akzeptiert. Naja, ich habe ihm natürlich auch ein Fass Rotwein aus der Rioja in den Hof gestellt. Egal. Die Liebe zu Dagmar ist jetzt amtlich. Und weil ich mich mit vielen Menschen unterhalten habe, die auch zurück zur Kirche wollten, weiß ich dass viele an diesem Schreiben scheitern. Aus geheuchelter Liebe zu meinen Mitmenschen veröffentliche ich mein Schreiben, quasi als Muster, hier im Internet. Zum Verständnis sage ich, dass ein Kunstgriff darin besteht, meine Taufe schon vorauszugreifen, also so zu tun, als wäre das Schreiben schon akzeptiert worden.
Ich lese gerne. Vor hundertfünfzig Tagen zum Beispiel habe ich in einem Buch (und nicht etwa vom Feld) gelesen, dass monokausales Denken - wenigstens statistisch - das Überleben in der Altsteinzeit wahrscheinlicher machte. Ich kann mir zwar nicht besonders konkret vorstellen, welche Methoden im Einzelnen zu diesem Ergebnis (Behauptung) geführt haben. Aber wenn es denn stimmt, dann komme ich als Selbstreflexionskrüppel der Familie (den Spitznamen habe ich von meinem Bruder) zu dem Befund, dass ich in der weiteren Evolution keine Chancen haben werde. Unter der Voraussetzung, dass sich die Situation seit der Altsteinzeit nicht verändert hat. Und hier kann ich mir noch viel weniger konkret vorstellen, wie man das ausdrucksvoll nachweisen kann. Es geht nicht. Wir leben strukturell immer noch in der Altsteinzeit. Dachte ich bisher, aber dazu unten mehr.
Außerdem. Ich bin auch nur ein Mensch. Das heißt, ich verdränge unangenehme Wahrheiten, und zwar aus dem tieferliegenden Grund, dass ich mich selbst ziemlich geil finde (Psychologie). Deshalb habe ich mich also taufen lassen. Denn Christentum und Evolutionstheorie geht zusammen nicht klar.
Aber zunächst ein kleiner Nachtrag zu den obigen prähistorisch gesonnen Ausführungen: Die Clovis-Kultur des nordamerikanischen Kontinents, die älteste dort angenommene menschliche Besiedlung, wird in ihrem Alter auf etwa 11.000 Jahre datiert. Es tauchen, wie immer in der Archäologie und Paläoanthropologie - und diese Behauptung werden alle Ahnungslosen mit mir teilen - immer mal wieder angeblich stichhaltige Ergebnisse irgendwelcher (amerikanischer) Wissenschaftler auf, die belegen, dass der Mais im Osten der heutigen USA noch früher als bisher angenommen domestiziert wurde, dass die Aubergine im Gebiet des fruchtbaren Halbmondes noch früher als der Emmerweizen kultiviert wurde und dass es den Hund schon im Ordovizium gab (also lange vor dem Menschen, so dass man sagen kann, dass der Hund den Menschen wohl als Haustier gehalten hat in der coolen Prähistorie und sich der Mensch aber dann doch behaupten konnte, jedenfalls bei oberflächlicher Betrachtung der heutigen Verhältnisse), das heißt, irgendetwas ist erwiesener Maßen immer noch älter. Wenn man diesen profilierungsgeilen Wissenschaftlern glaubt.
Jetzt hat man also vor einigen Jahren versteinerte Scheiße gefunden, die uns sagt, dass es vor der Clovis-Kultur Siedlungen gab in Nordamerika. Versteinerte Scheiße. Erstaunlich. Denn es handelt sich hierbei ja, und dass ist viel wichtiger als die komische Eventualität einer Präclovis-Kultur, um den ersten Nachweis menschlicher Kultur, der mir zu Ohren gekommen ist überhaupt. Es gibt also tatsächlich so etwas wie Kulturgut. Das hätte ich mir, als studierter Geologie (diese Disziplin handelt von verschissenen Steinen) und dementsprechend überzeugter Naturalist nicht träumen lassen. Nun mag man einwenden dass Opern von Verdi oder die überlieferten politischen Ansichten eines Catull oder Octavian Kulturgut seien. Aber im Unterschied zu Musik ist Scheiße messbar. Außerdem, und hier schließt sich für mich der Kreis, befinden wir uns damit, seit diesem ersten nachgewiesen Kack, per definitionem nicht mehr in der Altsteinzeit. Denn Kultur ist mal voll nicht monokausal.
Ja - und damit greifen wir den zweiten begonnen Kreis auf -, ich finde mich geil. Das liegt zwar hauptsächlich daran, dass ich ein Mensch bin, und deshalb dumm, wobei sich das Dumme immer geil findet, beziehungsweise, dass Geile das Dumme ursächlich und als Telos erst begründet, es liegt aber auch daran, dass ich dumm bin. Womit also gesagt ist, dass es eventuell Dummheit außerhalb des Menschen gibt. In diesem Sinne ist es erst verständlich, warum es ordentlich ist, jemand unmenschlich zu nennen, und zwar einfach deshalb, um darauf zu verweisen, dass sich dieser Mensch, auch noch die unmenschlichen Quellen der Dummheit zu eigen machen konnte.
Es wäre monokausal gedacht, zu sagen, der Mensch sei nur deshalb dumm, weil er ein Mensch ist. In der Altsteinzeit mag das ausgereicht haben. Spätestens seit der Geburt des heiligen Heilands ist aber klar, dass dies nicht mehr hinlänglich ist, die menschliche Dummheit zu begründen. Seit den zärtlichen Ereignissen im Zusammenhang mit Jesus wissen wir, dass das Unmenschliche schlechthin das Göttliche ist, zumindest teilweise, und dass der Mensch zusätzliche Dummheit nicht aus dem Nichts heraus schöpfen kann, sondern direkt aus der göttlichen Sphäre, unter anderem.
Weshalb habe ich mich also taufen lassen? Weil es nicht reicht, das Jagen und Sammeln eingestellt zu haben, um zu beweisen, dass die Altsteinzeit vorbei ist, also dass man jetzt nicht mehr nur noch aus einem einzigen Grund dumm ist, dass man jetzt nicht nur von den Feldern liest, sondern auch aus Büchern. Hauptsächlich aber weil ich auch was abbekommen will von der Evolution. Das Christentum glaubt nämlich, die Evolution gehöre ihm ganz allein, und ich weiß ja auch nicht von wem die versteinerte Scheiße genau kommt. Also die mögen sich halt nicht.
Ich will doch auch nur was von der Evolution. Ich liebe dich, Dagmar!
Bemerkung: Das mit dem versteinerten Kot ist nicht erfunden. Ja, das erste Zeugnis des Amerikaners... In der onlinischen Süddeutschen ist das nachzulesen. Und versteinerter Kot war ja bei ebay sogar schon käuflich. Wann zieht der Einzelhandel nach? Wann, oh wann begreift er endlich?
Du sollst kein Bild machen
Betrachten wir die Welt und denken dabei, dass sie von Gott stammt, dann müssen wir sagen, dass er mit dem Teil, unserer Erde also, und allem was sich aus ihr ergibt, an der Hochschule für Kunst und Gestaltung in Offenbach, um des Dialektes willen beispielsweise da, aber es ist völlig gleich, sich wirklich nicht hätte bewerben müssen. Man hätte ihn nicht verstanden.
Glück hätte er haben müssen, wenn sich in Gegenwart seiner Bewerbungsmappe um das Pult herum wenigstens eine Diskussion entwickelt, sich wenigstens geringfügiges Interesse eingestellt hätte. Normal wäre es gewesen, wenn man es kurz durchgegangen wäre, das Werk, und dann ignoriert hätte.
Hören Sie, Frau Professorin Soundso, Teile der Mappe finde ich ja schon interessant, ich sehe auch Parallelen zu Warhol (gibt es nichts größeres für einen Künstler, als mit Warhol oder Beuys verglichen zu werden, am besten aus dem Munde eines ganz großen Kuratoren?) und auch technisch nicht unmeisterhaft, aber das Konzept, ja, wo ist das Konzept? Ich meine, und dabei deutet die Expertin auf eine Nachbarmappe auf einem Nachbartisch, hier die Gabriela, die versucht mit geometrischen Figuren die Fläche auszufüllen, das hat Hand und Fuß, sowas sehe ich nicht bei, wie heißt der... komischer Name. Ist das der Vorname? Ein emiritierter Professor, der sich in seiner Freizeit noch der Beurteilung von Einsendungen widmet, weil er innerlich spürt, dass sein kunstmissionarischer Auftrag noch nicht ausgelaufen ist, meldet sich zu Wort.
Also isch waas anet, mir fählt do ärschendwie des Relischiöse, des Spiriduälle in där Mabbe. Des is doch di dodale Willkür, odä Renate? Und wo issen do die Eibeddung in de kunsthisdorische Kondäxt?
Vielleicht hätten sie ihn doch eingeladen, aber nur um ihn billig abzufertigen und ihm zu sagen, hör' doch mal zu, du bist doch intelligent oder, wir haben da ein Problem mit unserem WLAN-Router, und das hätte er natürlich locker hingekriegt, in kürzester Zeit. Er hat ihn ja erfunden, indirekt. Ach ja und noch was, wie ist denn das jetzt mit der Mehrwertsteuer, ich hab mir eben beim Hausmeister 'ne Bockwurst geholt, die aber gegessen, während wir über deine Mappe gelacht haben, also nicht vor Ort, muss ich jetzt sieben oder neunzehn Prozent zahlen? Du kennst dich doch aus mit sowas, du kleine Realistenschlampe, oder? Naja, und dann hatten wir natürlich alle den schwarzen Samtsack auf dem Kopf, während du da warst, damit wir nicht kotzen müssen. Können wir das beim Finanzamt als Arbeitskleidung geltend machen? Die Säcke haben schließlich auch ihr Geld gekostet. Und jetzt raus mit dir. Was? Nein, schlag dir den Studienplatz aus dem Kopf, wir nehmen die Tatjana, die malt mit historischem Fußschweiß, oder den Ingo, der die Landschaftsmalerei neu interpretiert. Ästhetisch? Erstens kommt es darauf nur beschränkt an und zweitens, schick lieber eine Bewerbung an die TU-Darmstadt, Materialwissenschaften, da schlägst du alle. Wir finden, dass du der wirklich geborene Ingenieur und Architekt bist, genialer Erfinder und Techniker, Mathematiker, Logiker und so weiter, aber kein Künstler. Dazu fehlt dir die Dummheit, mein Kleiner. Du liegst doch mit deiner Idee des blanken Daseins vor jeder Ästhetik. Gott wäre ganz schön gefrustet gewesen. Das heißt natürlich nicht, dass er dann gleich Pläne für den Osten geschmiedet hätte.
Der letzte Satz ist so wahnsinnig lustig, dass ich mir in die Hose mache. Ich meine wozu sonst dient Humor, wenn nicht die verrückten Grenzen der Moral (sprachlich!) zu überschreiten. Wohlgemerkt sprachlich, oder meinetwegen auch künstlerisch, in Karikaturen zum Beispiel. Die Handlung, das muss man bewerten. Die Handlung. Und jetzt komme mir niemand mit Austin oder Searle. Man könnte sich sowieso einmal überlegen, was es heißen würde, wenn es erlaubt wäre, alles zu sagen. Man könnte sich überlegen, ob wir an einem Ort leben, an dem die wertende Funktion von Sprache überschätzend missverstanden wird. Dass man es als geradezu primitiv bezeichnen könnte, wie das geschieht. Dass es möglicherweise geistig beschränkt ist, sofort entsetzt aufzuschreien, wenn jemand sagt, alle linken Studenten haben Fußpilz. Als hätte dieser jemand etwas gegen linke Studenten gesagt. Hat er gar nicht. Er hat doch nur etwas gesagt. Erstens haben etwa 20 Prozent aller Deutschen sowieso Fußpilz (worauf meine Mutter neulich meinte, dass noch einmal jemand sagen sollte, wir Deutschen hätten keine Kultur. Ich habe aus Scham und Ehrgefühl ihr sofort den Prometheus von Johnny G ins Gesicht geflammt). Zweitens ist es doch auch wichtig, dass diese Leute Fußpilz haben! Nein. Ich will ja nur sagen, dass linke Studenten mengentheoretisch betrachtet ein höchst paradoxes Phänomen sind: Zwanzig Prozent von ihnen sind gleichzeitig alle.
Das mit der sprachlichen Wertung könnte man alles lange diskutieren, zum Beispiel weil es so einfach doch nicht ist, aber nicht hier, denn ich habe mir gerade in die Hose gemacht. Das hat jetzt Vorrang! Das liegt aber nicht daran, dass der Satz so lustig war, sondern kommt vielmehr daher, dass ich mir generell in die Hose mache. Schon immer. Konsequent. Aber wozu liegt da sonst ein Toilettenstein "Orkan der Frische" (was anderes hilft nicht gegen die seit Jahren hier im Dorf vehement verlangte Ausbürgerung) und drei Bahnen Supersaugstark-Zellstoff aus der Sabotagetechnik in meiner Unterhose? Richtig, aus Erfahrung. Ja. Und das demonstriert auch, warum Gott abgelehnt wurde. Gott denkt so wie ich. Er hat eine Situation, in meinem Fall, ununterbrochener und leidenschaftlicher Harndrang, unkontrollierbar, wie ein Wildbach oder Wolkenbruch. Der Energieerhaltungssatz in seinen Grenzbereichen, denn ich trinke eigentlich nicht sehr viel. Und dann handelt Gott gemäß dieser Situation. Wie ich, wie die Russen. Zweckmäßigeit, Verhältnismäßigkeit der Mittel, Effizienz. Das sind die Koordinaten seines Vorgehens. Deswegen wurde er auch abgelehnt. Nehmen wir den supersaugstarken Zellstoff, eigentlich ganz im Sinne der Gott'schen Methode. Eigentlich eine Erfindung antikapitalistischer Untergrundingenieure des Arbeiter- und Bauernstaats, die dem Westen per Schwamm-Flugzeugabwurf die Wolken austrocknen und den Wasserkreislauf sabotieren wollten. Zum Einsatz kam der Schwamm nicht. Man will wissen warum? Ganz einfach. Ich habe damals derartig viel Geld geboten für diese Technologie, dass der Osten mit meiner finanziellen Unterstützung zu dem geworden ist was er heute ist: Überlegen in allen wirtschaftlichen Belangen. Und die Funktionäre konnten sich soziales Handeln auf die Fahnen schreiben, denn ich wusste nicht mehr ein noch aus, bis man mich rettete.
Wie gesagt ein perfektes Beispiel für die Denke Gottes. Die Erde inklusive unserer Existenz ist nichts weiter als ein solcher Schwamm, selbstverständlich Dimensionenenen (der sogenannte multiple Plural ist morphologisch einzigartig in unserer Sprache und gibt bekanntermaßen eine besonders große Zahl der Referenten zum Ausdruck) gewitzter und heftiger, ja, Gott, der Meistertechniker, der kosmogene Ingenieur, an der Kunst-Uni hat so jemand nichts zu suchen. Und das muss er auch einsehen, dass er da sein Potential verschwendet. Das Zweckfreie liegt ihm nicht.
Was will man ihm das denn anlasten? Er hatte eine gute Idee mit seinem Planeten und dem was zu Gelächter führte, als er es am Stammtisch zum ersten Mal Mensch nannte. Lange bevor die anderen Götter nur an so was dachten.
Und was ergibt sich daraus für uns? Es ist so. Wenn wir in einer unsinnigen Welt lebten, dann müssten wir konsequenterweise unsinnig handeln. Das wäre nur stimmig. Wenn wir das also übertragen wollen auf die Situation überragender Raffinesse der Verwaltung, gerade hier in Deutschland und in der EU, in einer Phase der holistischen Komplexifizierung bürokratischer Administration: Es muss Zufriedenheit herrschen. Warum? Weil es methodisch im Einklang steht mit den Gefühlen unseres sensiblen kleinen göttlichen Schöpfers. Regeln, Verordnungen, Gesetzmäßigkeiten, Anleitungen, Gebote, alles ein rechtmäßiger Grund zur Masturbation, am besten zu Mozarts Requiem. Deshalb, erstens weil es oben angesprochen wurde, und zweitens weil ich arbeitend etwas damit zu tun hatte jüngst, und drittens weil es immer noch miese Arschlöcher gibt, die verschlafen oder den Bus verpassen und drohen damit alles kaputt zu machen, ein kleiner Auszug aus der Liturgie, der Umsatzsteuerparagraph 15a nach Lukas:
Nein doch nicht, denn es war nicht meine Intention, irgendwie gegen die Bürokratie zu wettern. Ehrlich. Ich kenne mich in dem Gebiet nur so schlecht aus, dass der fahle Nachklang von Bildzeitungsniveau nicht zu vermeiden gewesen wäre. Ich meine, es war doch auch so lustig, oder?
Schlussnotiz: Womit wir gezeigt hätten, dass Gott kein DJ ist, wie es uns der Text eines Techno-Titels sagen möchte. Denn auch der DJ ist doch ein Künstler. Dazu muss nicht erst Scooter Texte von Thomas Bernhard lesen (was er tatsächlich gemacht hat).
Glück hätte er haben müssen, wenn sich in Gegenwart seiner Bewerbungsmappe um das Pult herum wenigstens eine Diskussion entwickelt, sich wenigstens geringfügiges Interesse eingestellt hätte. Normal wäre es gewesen, wenn man es kurz durchgegangen wäre, das Werk, und dann ignoriert hätte.
Hören Sie, Frau Professorin Soundso, Teile der Mappe finde ich ja schon interessant, ich sehe auch Parallelen zu Warhol (gibt es nichts größeres für einen Künstler, als mit Warhol oder Beuys verglichen zu werden, am besten aus dem Munde eines ganz großen Kuratoren?) und auch technisch nicht unmeisterhaft, aber das Konzept, ja, wo ist das Konzept? Ich meine, und dabei deutet die Expertin auf eine Nachbarmappe auf einem Nachbartisch, hier die Gabriela, die versucht mit geometrischen Figuren die Fläche auszufüllen, das hat Hand und Fuß, sowas sehe ich nicht bei, wie heißt der... komischer Name. Ist das der Vorname? Ein emiritierter Professor, der sich in seiner Freizeit noch der Beurteilung von Einsendungen widmet, weil er innerlich spürt, dass sein kunstmissionarischer Auftrag noch nicht ausgelaufen ist, meldet sich zu Wort.
Also isch waas anet, mir fählt do ärschendwie des Relischiöse, des Spiriduälle in där Mabbe. Des is doch di dodale Willkür, odä Renate? Und wo issen do die Eibeddung in de kunsthisdorische Kondäxt?
Vielleicht hätten sie ihn doch eingeladen, aber nur um ihn billig abzufertigen und ihm zu sagen, hör' doch mal zu, du bist doch intelligent oder, wir haben da ein Problem mit unserem WLAN-Router, und das hätte er natürlich locker hingekriegt, in kürzester Zeit. Er hat ihn ja erfunden, indirekt. Ach ja und noch was, wie ist denn das jetzt mit der Mehrwertsteuer, ich hab mir eben beim Hausmeister 'ne Bockwurst geholt, die aber gegessen, während wir über deine Mappe gelacht haben, also nicht vor Ort, muss ich jetzt sieben oder neunzehn Prozent zahlen? Du kennst dich doch aus mit sowas, du kleine Realistenschlampe, oder? Naja, und dann hatten wir natürlich alle den schwarzen Samtsack auf dem Kopf, während du da warst, damit wir nicht kotzen müssen. Können wir das beim Finanzamt als Arbeitskleidung geltend machen? Die Säcke haben schließlich auch ihr Geld gekostet. Und jetzt raus mit dir. Was? Nein, schlag dir den Studienplatz aus dem Kopf, wir nehmen die Tatjana, die malt mit historischem Fußschweiß, oder den Ingo, der die Landschaftsmalerei neu interpretiert. Ästhetisch? Erstens kommt es darauf nur beschränkt an und zweitens, schick lieber eine Bewerbung an die TU-Darmstadt, Materialwissenschaften, da schlägst du alle. Wir finden, dass du der wirklich geborene Ingenieur und Architekt bist, genialer Erfinder und Techniker, Mathematiker, Logiker und so weiter, aber kein Künstler. Dazu fehlt dir die Dummheit, mein Kleiner. Du liegst doch mit deiner Idee des blanken Daseins vor jeder Ästhetik. Gott wäre ganz schön gefrustet gewesen. Das heißt natürlich nicht, dass er dann gleich Pläne für den Osten geschmiedet hätte.
Der letzte Satz ist so wahnsinnig lustig, dass ich mir in die Hose mache. Ich meine wozu sonst dient Humor, wenn nicht die verrückten Grenzen der Moral (sprachlich!) zu überschreiten. Wohlgemerkt sprachlich, oder meinetwegen auch künstlerisch, in Karikaturen zum Beispiel. Die Handlung, das muss man bewerten. Die Handlung. Und jetzt komme mir niemand mit Austin oder Searle. Man könnte sich sowieso einmal überlegen, was es heißen würde, wenn es erlaubt wäre, alles zu sagen. Man könnte sich überlegen, ob wir an einem Ort leben, an dem die wertende Funktion von Sprache überschätzend missverstanden wird. Dass man es als geradezu primitiv bezeichnen könnte, wie das geschieht. Dass es möglicherweise geistig beschränkt ist, sofort entsetzt aufzuschreien, wenn jemand sagt, alle linken Studenten haben Fußpilz. Als hätte dieser jemand etwas gegen linke Studenten gesagt. Hat er gar nicht. Er hat doch nur etwas gesagt. Erstens haben etwa 20 Prozent aller Deutschen sowieso Fußpilz (worauf meine Mutter neulich meinte, dass noch einmal jemand sagen sollte, wir Deutschen hätten keine Kultur. Ich habe aus Scham und Ehrgefühl ihr sofort den Prometheus von Johnny G ins Gesicht geflammt). Zweitens ist es doch auch wichtig, dass diese Leute Fußpilz haben! Nein. Ich will ja nur sagen, dass linke Studenten mengentheoretisch betrachtet ein höchst paradoxes Phänomen sind: Zwanzig Prozent von ihnen sind gleichzeitig alle.
Das mit der sprachlichen Wertung könnte man alles lange diskutieren, zum Beispiel weil es so einfach doch nicht ist, aber nicht hier, denn ich habe mir gerade in die Hose gemacht. Das hat jetzt Vorrang! Das liegt aber nicht daran, dass der Satz so lustig war, sondern kommt vielmehr daher, dass ich mir generell in die Hose mache. Schon immer. Konsequent. Aber wozu liegt da sonst ein Toilettenstein "Orkan der Frische" (was anderes hilft nicht gegen die seit Jahren hier im Dorf vehement verlangte Ausbürgerung) und drei Bahnen Supersaugstark-Zellstoff aus der Sabotagetechnik in meiner Unterhose? Richtig, aus Erfahrung. Ja. Und das demonstriert auch, warum Gott abgelehnt wurde. Gott denkt so wie ich. Er hat eine Situation, in meinem Fall, ununterbrochener und leidenschaftlicher Harndrang, unkontrollierbar, wie ein Wildbach oder Wolkenbruch. Der Energieerhaltungssatz in seinen Grenzbereichen, denn ich trinke eigentlich nicht sehr viel. Und dann handelt Gott gemäß dieser Situation. Wie ich, wie die Russen. Zweckmäßigeit, Verhältnismäßigkeit der Mittel, Effizienz. Das sind die Koordinaten seines Vorgehens. Deswegen wurde er auch abgelehnt. Nehmen wir den supersaugstarken Zellstoff, eigentlich ganz im Sinne der Gott'schen Methode. Eigentlich eine Erfindung antikapitalistischer Untergrundingenieure des Arbeiter- und Bauernstaats, die dem Westen per Schwamm-Flugzeugabwurf die Wolken austrocknen und den Wasserkreislauf sabotieren wollten. Zum Einsatz kam der Schwamm nicht. Man will wissen warum? Ganz einfach. Ich habe damals derartig viel Geld geboten für diese Technologie, dass der Osten mit meiner finanziellen Unterstützung zu dem geworden ist was er heute ist: Überlegen in allen wirtschaftlichen Belangen. Und die Funktionäre konnten sich soziales Handeln auf die Fahnen schreiben, denn ich wusste nicht mehr ein noch aus, bis man mich rettete.
Wie gesagt ein perfektes Beispiel für die Denke Gottes. Die Erde inklusive unserer Existenz ist nichts weiter als ein solcher Schwamm, selbstverständlich Dimensionenenen (der sogenannte multiple Plural ist morphologisch einzigartig in unserer Sprache und gibt bekanntermaßen eine besonders große Zahl der Referenten zum Ausdruck) gewitzter und heftiger, ja, Gott, der Meistertechniker, der kosmogene Ingenieur, an der Kunst-Uni hat so jemand nichts zu suchen. Und das muss er auch einsehen, dass er da sein Potential verschwendet. Das Zweckfreie liegt ihm nicht.
Was will man ihm das denn anlasten? Er hatte eine gute Idee mit seinem Planeten und dem was zu Gelächter führte, als er es am Stammtisch zum ersten Mal Mensch nannte. Lange bevor die anderen Götter nur an so was dachten.
Und was ergibt sich daraus für uns? Es ist so. Wenn wir in einer unsinnigen Welt lebten, dann müssten wir konsequenterweise unsinnig handeln. Das wäre nur stimmig. Wenn wir das also übertragen wollen auf die Situation überragender Raffinesse der Verwaltung, gerade hier in Deutschland und in der EU, in einer Phase der holistischen Komplexifizierung bürokratischer Administration: Es muss Zufriedenheit herrschen. Warum? Weil es methodisch im Einklang steht mit den Gefühlen unseres sensiblen kleinen göttlichen Schöpfers. Regeln, Verordnungen, Gesetzmäßigkeiten, Anleitungen, Gebote, alles ein rechtmäßiger Grund zur Masturbation, am besten zu Mozarts Requiem. Deshalb, erstens weil es oben angesprochen wurde, und zweitens weil ich arbeitend etwas damit zu tun hatte jüngst, und drittens weil es immer noch miese Arschlöcher gibt, die verschlafen oder den Bus verpassen und drohen damit alles kaputt zu machen, ein kleiner Auszug aus der Liturgie, der Umsatzsteuerparagraph 15a nach Lukas:
Nein doch nicht, denn es war nicht meine Intention, irgendwie gegen die Bürokratie zu wettern. Ehrlich. Ich kenne mich in dem Gebiet nur so schlecht aus, dass der fahle Nachklang von Bildzeitungsniveau nicht zu vermeiden gewesen wäre. Ich meine, es war doch auch so lustig, oder?
Schlussnotiz: Womit wir gezeigt hätten, dass Gott kein DJ ist, wie es uns der Text eines Techno-Titels sagen möchte. Denn auch der DJ ist doch ein Künstler. Dazu muss nicht erst Scooter Texte von Thomas Bernhard lesen (was er tatsächlich gemacht hat).
Irgendwie Spiritualität
Ich weiß auch nicht. Irgendeine Sache in irgendeiner Form betrachten, das ist doch total irgendwie, oder? Ich meine, so komplett und hundertprozentig irgendwie. Ohne wenn und aber, und manchmal bedeutet es was, ja, ja manchmal schon, und dann bedeutet was anderes wieder was ganz anderes und so. Ich meine, es ist doch alles, aber echt alles total unterschiedlich, oder? Wie sich das alles unterscheidet, die ganzen Sachen, die man erlebt. Da mal mehr und da mal weniger. Vielleicht gibt es da Zusammenhänge und so, ich meine die gibt es doch echt überall, oder? Wenn man eine Sache erst mal ausgecheckt hat, dann kann man die nächste Sache viel besser auschecken. Und dann kriegt man mal klar was das eigentlich heißt, dass es einen gibt.
Oder? Das ist doch die Tatsache Nummer eins irgendwie, dass man da ist und alles andere auch. Dass diese ganzen Leute da sind, die Familie und die Arbeitskollegen und so, und die Leute, die grad' irgendwas in der Hand halten in irgend'nem Geschäft oder Schlafzimmer und dass man in den Spiegel glotzen kann oder aus dem Fenster. Ich mein, das kann man sich doch alles gar nicht erklären. Und das Gerede, von dass Leben hat zwar keinen Sinn, man muss seinem Leben einen geben, find' ich schwul. Und Selbstfindung und so. Das ist doch aus. Selbstfindung is' doch nur sich entschieden haben, wo man jetzt mitmachen muss. Das ist doch Kindergarten. Ich hab meine Philosophie, nenn' ich das jetzt mal, für mich gefunden. Ich mein', dass es uns gibt, und dass wir Gefühle ha'm und so. Ich muss mir doch nich' von 'nem Professor oder Priester erzählen lassen, warum das alles so ist. Oder die Glotze anmachen, weil es ja eh so is wie es is.
Dass man einfach so nachdenken kann. Alles anfassen kann. Und so krasses Zeug passiert. Klar hört das irgendwann auf, dann ist man halt tot. Dann stürzt man halt im Flugzeug ab. Oder? Und das mal was schlimmes passiert. "Ich bin das Werkstück der Wirklichkeit". Aber das is' eigentlich nich' so mein Sprachstil, also nich jetzt hier in dem Text. Ja, schlimme Sachen gibt's. Was soll's, das gehört dazu. Soll man damit jetzt irgendwie umgehen? Soll ich das etwas jetzt verarbeiten, oder was!? Was sollen das sein, verarbeiten? Warum reden die alle so viel? Also ich jetzt, ich komm anders nich' klar, als das alles durch mich durch fließen lassen. Ja, klar. Das jetzt ma' in den und den Worten formulieren. Blödsinn, ich will leben. Ich will mich beim Erleben filmen. Soll ich mir jetzt hier und da zu dem und dem so und so'n Verhältnis erarbeiten, oder wie? Warum denn, ich mach' niemandem was. Ich hab' Respekt. Für mich isses so: Dass einfach alles da ist, das is' für mich Gott.
Oder? Das ist doch die Tatsache Nummer eins irgendwie, dass man da ist und alles andere auch. Dass diese ganzen Leute da sind, die Familie und die Arbeitskollegen und so, und die Leute, die grad' irgendwas in der Hand halten in irgend'nem Geschäft oder Schlafzimmer und dass man in den Spiegel glotzen kann oder aus dem Fenster. Ich mein, das kann man sich doch alles gar nicht erklären. Und das Gerede, von dass Leben hat zwar keinen Sinn, man muss seinem Leben einen geben, find' ich schwul. Und Selbstfindung und so. Das ist doch aus. Selbstfindung is' doch nur sich entschieden haben, wo man jetzt mitmachen muss. Das ist doch Kindergarten. Ich hab meine Philosophie, nenn' ich das jetzt mal, für mich gefunden. Ich mein', dass es uns gibt, und dass wir Gefühle ha'm und so. Ich muss mir doch nich' von 'nem Professor oder Priester erzählen lassen, warum das alles so ist. Oder die Glotze anmachen, weil es ja eh so is wie es is.
Dass man einfach so nachdenken kann. Alles anfassen kann. Und so krasses Zeug passiert. Klar hört das irgendwann auf, dann ist man halt tot. Dann stürzt man halt im Flugzeug ab. Oder? Und das mal was schlimmes passiert. "Ich bin das Werkstück der Wirklichkeit". Aber das is' eigentlich nich' so mein Sprachstil, also nich jetzt hier in dem Text. Ja, schlimme Sachen gibt's. Was soll's, das gehört dazu. Soll man damit jetzt irgendwie umgehen? Soll ich das etwas jetzt verarbeiten, oder was!? Was sollen das sein, verarbeiten? Warum reden die alle so viel? Also ich jetzt, ich komm anders nich' klar, als das alles durch mich durch fließen lassen. Ja, klar. Das jetzt ma' in den und den Worten formulieren. Blödsinn, ich will leben. Ich will mich beim Erleben filmen. Soll ich mir jetzt hier und da zu dem und dem so und so'n Verhältnis erarbeiten, oder wie? Warum denn, ich mach' niemandem was. Ich hab' Respekt. Für mich isses so: Dass einfach alles da ist, das is' für mich Gott.
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